06. August 2025
Ukrainischer Soldat erhält Ellenbogenprothese nach schwerer Kriegsverletzung
Ein lauter Knall, ein Druckgefühl, an mehr kann Yevhen Piddubuyi sich nicht erinnern. Als er wieder zu sich kommt, liegt der Soldat schwerstverletzt unter den Trümmern eines Hauses bei Charkiv. Zwei seiner Kameraden haben diesen Angriff nicht überlebt. Es sei ein Mienensprengsatz gewesen, der detoniert ist und ihm den Arm buchstäblich zerfetzt hat, sagten die Ärzte. Vor Ort in der Ukraine fand die Erstversorgung statt. Erst die erfolgreiche Operation in Deutschland durch Chefarzt Dr. Dieter Mann und sein Team der Unfallchirurgie am Sankt Elisabeth Hospital lässt ihn wieder optimistischer in die Zukunft blicken.
Heute kann Yevhen Piddubuyi wieder lächeln, auch, wenn ihm die Traurigkeit über die Zustände in seinem Heimatland deutlich anzusehen ist. Er ist den Gütersloher Unfallchirurgen sehr dankbar, dass sie ihm durch den Eingriff die Chance auf ein aktives Leben nach dem Militärdienst ermöglichen. Die vergangenen 17 Monate waren hart. Die Verletzungen am Ellenbogen hatten ihn in seiner Mobilität massiv eingeschränkt. Ein notdürftig angebrachter externer Fixateur ließ den Bruch im Lauf der Monate in einer Fehlstellung wieder zusammenwachsen und jede Erschütterung verursachte starke Schmerzen. Die Haut- und Weichteilverletzungen hatten die ukrainischen Ärzte in verschiedenen Kliniken lediglich durch eine Lappenplastik, eine Hautverpflanzung vom Rücken auf den Arm, abgedeckt. Der junge Mann konnte seinen Arm nicht mehr beugen und war somit stark eingeschränkt.
„Dank einer spezialisierten Operation und dem Einsatz einer Ellenbogenprothese wird sein Arm wieder funktionstüchtig werden“, berichtet Dr. Dieter Mann. Nachdem er in der Ukraine erstversorgt wurde, kam der 40-jährige Soldat im Rahmen eines humanitären Evakuierungsprogramms per Flugzeug nach Deutschland und über das Kleeblattsystem nach NRW. Das Sankt Elisabeth Hospital sicherte seine Unterstützung zu und bot eine umfassende unfallchirurgische Versorgung an. In Gütersloh wurde er durch ein interdisziplinäres Team aus Unfallchirurgen und Physiotherapeuten betreut. Die komplexe Verletzung, bei der Knochen und Gewebe zerstört worden waren, erforderte eine aufwändige Rekonstruktion des Ellenbogengelenks, bei der durch die erfahrenen Unfallchirurgen Dr. Dieter Mann und Oberarzt Dr. Frank Kliebe eine Prothese implantiert wurde.
„Es war eine medizinische Herausforderung, da nicht nur das Gelenk, sondern auch umliegendes Weichteilgewebe stark beschädigt war und wir die Gefäßverläufe und Nervenbahnen berücksichtigen mussten“, erklärt Dr. Mann. Dank modernster Prothesentechnologie und einer individuell auf den Patienten abgestimmten Nachbehandlung und Reha kann die Beweglichkeit des Arms weitgehend wiederhergestellt werden. Zweimal täglich übt Physiotherapeutin Galina Claassen die passiven und aktiven Bewegungen des Ellenbogengelenks mit Yevhen Piddubuyi. „Er macht sehr gute Fortschritte und sein Arm ist langfristig im Alltag wieder funktionsfähig“, berichtet sie. Mit der Zeit müssen die verletzten Nervenbahnen regenerieren und Kraft im Arm aufgebaut werden. Der Eingriff stellt für den Soldaten nicht nur körperlich, sondern auch emotional einen bedeutenden Meilenstein auf dem Weg Richtung Genesung dar. Dennoch bleiben seine Aussichten für die Zukunft ungewiss. „Was soll ich für Pläne haben in einem Land, das keine Pläne hat?“, fragt sich der jungen Ukrainer. Weiter genesen und zurück zur Familie in die Region Poltawa kommen, dies sind die nächsten Schritte.