"Ungeboren"

Bilder und Vorstellungen von Schwangerschaft im Wandel

von Mai bis Anfang Juli
im Sankt Elisabeth Hospital

Viele Babyalben beginnen mit mehr oder weniger gut erkennbaren Schwarz-Weiß-Aufnahmen kleiner Föten, wie ein Baby in den ersten Entwicklungswochen heißt. Denn für Frauen, die in den letzten Jahrzehnten in Deutschland schwanger waren, gehörten Ultraschall-Untersuchungen selbstverständlich zur Vorsorge dazu. Dabei sind bildgebende Verfahren, wie eben das Ultraschall, in der Geburtsmedizin eine relativ neue Entwicklung. Mit den Vorstellungen und „Bildern“, die sich die Menschen vor diesen Techniken von der Entwicklung im Mutterleib machten, beschäftigt sich die Ausstellung „Ungeboren. Bilder und Vorstellungen von Schwangerschaft im Wandel“. Sie wurde von der Ausstellungskuratorin Rike-Kristen Liebsch für das Stadtmuseum Gütersloh entwickelt.

Bis in das 20. Jahrhundert war das Wissen um und der Umgang mit einer Schwangerschaft überwiegend Frauensache – geprägt durch das Körpergefühl und die Erfahrung von Frauen und Hebammen. Diese Unsichtbarkeit des im Mutterleib wachsenden Ungeborenen beflügelte aber auch die Vorstellungskraft von – meist männlichen – Malern, Wissenschaftlern und Theologen.

Die dabei entstandenen Bilder spiegeln die jeweilige Lebenswirklichkeit wider, an die sich Rituale, Wünsche, Ängste und Vorstellungen schwangerer Frauen – aber auch von Männern oder der Gesellschaft im Allgemeinen – anschließen. Die Ausstellung „Ungeboren“ zeigt mehr als drei Dutzend „Schwangerschaftsbilder“ von Leonardo Da Vinci bis Lennart Nilsson in großformatigen Reproduktionen – 15 davon sind von Mai bis Anfang Juli im Sankt Elisabeth Hospital zu sehen.

Neben den Bildwelten wurde der gesellschaftliche Wandel im Umgang mit dem Ungeborenen und der Schwangerschaft illustriert. In vergangenen Jahrhunderten prägten vor allem Kultur und Religion die Vorstellungen vom werdenden Leben und den Umgang mit schwangeren Frauen. Doch auch heutzutage ist der Umgang mit Schwangerschaft und Geburt nicht unstrittig. So thematisiert die Ausstellung auch juristische, ethische und medizinische Fragestellungen – so etwa die zunehmende Verdrängung der Hebammen.

Die Kuratorin Rike-Kristin Liebsch studierte Kultur- und Sozialanthropologie und Geschichte in Münster und Granada. Studienbegleitend arbeitet sie in Forschungs- und Ausstellungsprojekten des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe und des Westfälischen Kunstvereins. Neben ihrer freien Kuratorentätigkeit ist sie Mitarbeiterin des Ausstellungsbüros Dr. Ulrich Hermanns Ausstellung Medien Transfer GmbH in Münster.