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11.12.2020

Wenn die Orientierung verloren geht

„Wenn das Gehirn aus der Spur gerät - Delir im Krankenhaus“: Neues Projekt von Bürgerstiftung Gütersloh und Erich und Katharina Zinkann-Stiftung fördert sensiblen Umgang mit Delir-Patienten

Gütersloh. Plötzlich fühlen sie sich verloren - ältere Patienten im Krankenhaus. Sie sind verwirrt und unruhig, aggressiv, traurig, desorientiert - obwohl das mit ihrer eigentlichen Erkrankung, wegen der sie ins Krankenhaus gekommen sind, gar nichts zu tun hat. So eine akut auftretende Verwirrtheit heisst „Delir“. Damit Betroffene nicht zu sehr „aus der Spur“ geraten - denn das bedeutet der lateinische Begriff „delirare“ - haben sich Klinikum Gütersloh, Sankt Elisabeth Hospital, LWL-Klinikum, Erich und Katharina Zinkann-Stiftung und die Bürgerstiftung Gütersloh zu einem außergewöhnlichen Gesundheits-Projekt zusammen getan. 380.000 Euro stellen die beiden Stiftungen in den nächsten drei Jahren dafür bereit.

„Wenn das Gehirn aus der Spur gerät - Delir im Krankenhaus“ - so heißt das neue Gemeinschafts-Projekt. „Wir sind froh und auch ein bisschen stolz, ein so umfassendes Projekt mit den beiden Akutkrankenhäusern in Gütersloh und dem uns beratend zur Seite stehenden LWL-Klinikum auf den Weg bringen zu können“, sagt Katrin Meyer, Projekt-Vorstand der Bürgerstiftung Gütersloh. „Wir sind sicher, dadurch etwas für die Menschen in unserer Stadt, die in der Tendenz ja immer älter werden, tun zu können. Denn das „Delir“ ist kein harmloses Durchgangs-Syndrom, so wie es früher bezeichnet wurde, sondern eine ernstzunehmende Bewusstseinsstörung, die weitreichende Folgen haben kann.“

Prof. Norbert Zoremba, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie im Sankt Elisabeth Hospital, ergänzt: „Dieses akute Krankheitsbild erhöht das Risiko, eine Demenz zu entwickeln oder zu verstärken, und auch das Risiko der Sterblichkeit.“ Insbesondere Patienten höheren Lebensalters und Patienten mit vorbestehenden kognitiven Vorerkrankungen - z.B. einer Demenz - seien während eines Krankenhausaufenthaltes gefährdet. „Damit meinen wir aber nicht nur Patienten, die beispielsweise 85 Jahre alt sind - es betrifft durchaus auch deutlich jüngere Menschen.“

Katja Plock arbeitet als Demenz-Coach im Klinikum Gütersloh. Sie berichtet, dass betroffene Patienten oft das Gefühl haben, völlig verloren zu sein. „Sie fühlen sich stark überfordert, haben Angst oder werden aggressiv, sind unruhig oder auch sehr traurig.“ Ziel des Projektes sei es, delirgefährdete Patienten rechtzeitig schon bei der Aufnahme ins Krankenhaus zu erkennen und ihre Behandlung auf der Grundlage neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse darauf abzustimmen.

An dieser Aufgabe arbeiten in beiden Häusern Teams aus verschiedenen Berufsgruppen. Sie werden sich regelmäßig im Rahmen einer Delirvisite über und auch mit dem Patienten austauschen. Hierbei werden sie unterstützt durch das LWL-Klinikum. Auch die Angehörigen sollen mit einbezogen werden, um den Aufenthalt im Krankenhaus so schonend wie möglich zu gestalten. „Unsere Pflegenden kümmern sich besonders um diese Patienten“, sagt Katja Plock. „Wir sorgen z.B. für Ruhe, fördern die geistige Aktivität, achten darauf, dass sie genug schlafen, essen und trinken. Wir werden sie so früh wie möglich mobilisieren, wollen Orientierung schaffen durch persönliche Gegenstände und Gespräche.“

Die Ärzte werden insbesondere Medikamente vermeiden, die das Delir begünstigten würden, und gleichzeitig auf eine effiziente Schmerztherapie achten. „Wir wollen erreichen, dass die Menschen schnellstmöglich wieder in ihr gewohntes Umfeld zurück kehren können“, sagt Prof. Norbert Zoremba.  „So soll die Delir-Rate in unseren Häusern sinken, der Heilungsverlauf positiv beeinflusst und eine drohende Pflegebedürftigkeit möglichst abgewendet werden.

Einen Austausch über das Projekt wird es auch zwischen den beteiligten Kliniken regelmäßig geben. Katrin Meyer und Bernd Mußenbrock sind von Seiten der beiden Stiftungen gespannt auf die Erfahrungen. „Für uns gehört dieses Projekt mit zu den größten, die wir bisher gefördert haben. Die Bürgerstiftung stellt 200.000 Euro und die Erich und Katharina Zinkann-Stiftung 180.000 Euro zur Verfügung. Dieses Projekt ist sehr personalkostenintensiv. Die beiden Krankenhäuser stellen durchaus Eigenmittel bereit. Doch die neuen Arbeitsstrukturen des Delir-Projekts erfordern eine zusätzliche Finanzierung. Wir sind zuversichtlich, dass diese Arbeit später in die Regelversorgung übergehen wird.“

Foto von links nach rechts: Maud Beste (Klinikum Gütersloh), Bernd Meißnest (LWL Klinikum), Dr. Stephan Pantenburg (Sankt Elisabeth Hospital), Katrin Meyer (Bürgerstiftung Gütersloh), Prof. Norbert Zoremba (Sankt Elisabeth Hospital), Bernd Mußenbrock (Erich und Katharina Zinkann-Stiftung), Katja Plock (Klinikum Gütersloh).